Jakob Breitwieser und Konstantin Kappe haben mit ihren Söhnen sechs Tage Bikepacking in den Schweizer Alpen gemacht. In unserem Interview sprechen sie über ihre Erfahrungen.

Wo habt ihr euch zum ersten Mal getroffen?
Jakob: Ich habe Konstantin bei meinem ersten Spaziergang mit Emil kennengelernt. Wir waren zwar vorher auch schon einmal zusammen radeln gewesen, hatten aber nicht wirklich viel miteinander zu tun. Dann haben wir gemerkt, dass wir nah beieinander wohnen und die gleichen Hobbys haben: Biken, Klettern, Skifahren und Hochtouren gehen.
Auf eurer Tour wart ihr mit Anhängern unterwegs, hattet aber auch einen Kindersattel, damit die Jungs zwischendurch vorne mitfahren konnten. Wie habt ihr sie daran gewöhnt, dort sitzen zu bleiben?
Jakob: Emil konnte mit ungefähr eineinhalb Jahren auf diesem Sattel sitzen. Anfangs habe ich ihn nur für ein paar Minuten draufgesetzt und er hatte immer Spaß daran. So konnten wir das relativ schnell steigern. Die Kinder müssen natürlich lernen, wo sie sich festhalten müssen und dass sie nicht zu viel herumkaspern dürfen.
Konstantin: Es war gut, dass wir beide Möglichkeiten hatten. So konnten die Jungs hinten Pause machen und vorne reden oder sich auch gegenseitig ärgern. Es wurde auch viel gesungen.

Habt ihr auch geübt, mit den Kindern im Zelt zu schlafen?
Jakob: Das wollte ich eigentlich machen, aber daraus ist dann doch nichts geworden. Deshalb hatte ich auch zwei Isomatten dabei, die so breit waren, dass sie nicht ins Zelt gepasst haben – das war vielleicht nicht ganz so schlau. Aber mit den Kindern war das gar kein Stress.
Konstantin: Ja, die fanden das super. Karl war total begeistert. Als wir wieder am Auto angekommen sind, habe ich mich darauf gefreut, wieder auf einer Matratze zu schlafen, und er wollte zurück ins Zelt! Zum Glück konnte ich ihn dann doch überzeugen, im Auto zu schlafen.
Was war für euch die größte Herausforderung auf dieser Tour?
Jakob: Unsere Etappen waren rein körperlich schon anstrengend. Nachts schläft man schlecht auf der Isomatte, und dann kann man den Mittagsschlaf des Kindes nicht einmal nutzen, um sich selbst hinzulegen, sondern muss den Berg hochfahren, um Strecke zu machen. Aber es war auch anstrengend, allein für die Kinder verantwortlich zu sein. Dadurch ist mir klar geworden, wie wertvoll es ist, eine Partnerin zu haben, mit der man das teilen kann.

Beim Bikepacking überlegt man sich besser zweimal, was man unterwegs wirklich braucht. Oft ging es im kleinsten Gang bergauf, und obwohl sich nur das Nötigste im Gepäck befand, musste bei so manchem Anstieg geschoben werden.
Welche Tipps habt ihr für andere Eltern, die eine solche Tour in den Alpen vielleicht auch mal machen wollen?
Jakob: Einfach machen. Mit Kindern ist immer alles anstrengender, man macht sich mehr Gedanken und lässt es am Ende vielleicht lieber sein. Aber wir sind hier mitten in Europa. Und wenn du etwas vergessen hast, kannst du es innerhalb einer halben Stunde irgendwie organisieren.
Konstantin: Man darf sich einfach nicht zu viel Stress machen, sollte versuchen, entspannt zu bleiben, und den Fokus auf etwas lenken, das einen wieder nach vorne bringt. Es bringt einfach nichts, zum Weiterfahren zu drängen, wenn die Kinder halt mal länger Steine in den Fluss werfen wollen.

Damit in der Schweiz auch erste Downhill-Erfahrungen gesammelt werden können, haben die Papas sogar die Laufräder mitgenommen. Foto: Holger Wimmer
Es ist nicht einfach, Hobbys und familiäre Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Worin besteht für euch der größte Benefit, es trotzdem zu versuchen?
Jakob: Wir versuchen einfach, uns ein Stück Freiheit zu erhalten. Das macht einen selbst glücklicher – und wahrscheinlich auch zu einem besseren Vater oder einer besseren Mutter.
Filmemacher Holger Wimmer kennt Jakob Breitwieser schon seit über zehn Jahren. Gemeinsam mit Kameramann Marcus Witte hat er die beiden Papas während der gesamten Bikepacking-Tour begleitet.

Wie habt ihr die Bikepacking-Tour gefilmt?
Holger: Wir sind mit dem E-Bike mitgefahren – mit Zelt und dem ganzen Kameraequipment. Im Vorfeld hatten wir unglaublich viel geplant, aber dann sind wir losgerollt und haben gemerkt: Okay, das wird nichts. Denn Kinder interessiert es einfach nicht, welche Pläne Erwachsene haben.
Wie habt ihr es geschafft, trotzdem genug Material für den Film zu bekommen?
Holger: Marcus und ich haben zwei Teams gebildet, weil Jakob und Konne oft unterschiedlich schnell unterwegs waren. Wir sind häufig vorausgefahren, haben die Kamera aufgebaut und dann auf sie gewartet. Manchmal hat das zehn oder 20 Minuten gedauert, weil Jakob oder Konne plötzlich eine Pause einlegen mussten – wegen Essen, Trinken, Schlafen oder weil der Platz gewechselt werden wollte. Und dann steht man da und denkt: Ist irgendetwas passiert?!
Wie haben die Kids auf eure Kameras reagiert?
Holger: Die großen Kameras haben sie meistens ziemlich gut ignoriert – nicht aber die GoPros am Lenker. Nach einem Tag wussten sie schon genau, was das ist und wie man sie an- und wieder ausschaltet. Deshalb hatten wir am Ende ganz viele sehr kurze Clips, darunter auch einige, bei denen eine Hand auf der Linse ist.
Was war für dich das Besondere an diesem Projekt?
Holger: Normalerweise ist es bei mir so, dass ich einen Film schneide und nach ein paar Wochen denke: Okay, das ist jetzt langweilig, ich habe alles gesehen. Aber hier war das anders. Die Bilder mit den Kindern und all die tollen Situationen – das finde ich auch jetzt noch immer witzig. Das Ganze war definitiv eine Herausforderung, aber es war auch der schönste Schnitt, den ich bislang gemacht habe.